Vorträge & Gespräche

Cristina Zerr | Metanoia
Freitag, 01. März 2024 | 18 Uhr

Die freischaffende Wiener Filmemacherin Cristina Yurena Zerr Sarmiento stellt das Konzept für ihren aktuell in Arbeit befindlichen Dokumentarfilm vor:

Metanoia

“Es mag verwunderlich erscheinen, dass das mönchische Ideal, das aus der individuellen Weltflucht in die Einsamkeit hervorgegangen war, zum Muster eines ganz auf die Gemeinschaft ausgerichteten Lebens werden konnte. Insofern ist das Kloster der Ort, wo zum ersten Mal das Leben selbst […] als Kunst praktiziert wurde.” Höchste Armut, Giorgio Agamben

„In den dichtbewachsenen Wäldern der Region Auvergne-Rhône-Alpes im Süden Frankreichs befindet sich das Kloster La Demeure, unscheinbar und entlegen, nur auf einem langen Schotterweg zu erreichen. Auf einem steilen Hang gebaut, der in dutzenden kleinen Terrassen bis zur Ardèche führt, liegt das ehemalige Bauernhaus mit mehreren Eremitagen. Heute leben hier nur noch zwei Mönche: Paul und Jean-Michel, beide sind über 70 Jahre alt und haben den Großteil ihres Lebens dort verbracht.Sie beten, leben von der Arbeit auf dem Land und empfangen Menschen – ein karges, schlichtes Leben. Die Gemeinschaft ist auf das Wesentliche reduziert, es findet sich Einfachheit in allem: den Gebäuden, der Einrichtung, der Ernährung, den täglichen Aktivitäten und der Liturgie.

Die Anfänge des christlichen Klosterlebens reichen bis ins 4. Jahrhundert. Im Lauf der Jahrhunderte wurden diese Orte zu Zentren der Kultur, der Kunst, der Wissenschaft, der Seelsorge und Handels. Eine Gleichzeitigkeit von angesehenen, machtvollen Orden entwickelte sich parallel zu Orten der Entsagung, des Asyls, des Widerstandes, der emanzipatorischen Politik.

Das Kloster als Ort des Rückzugs, der Kontemplation oder der „Hinwendung zu Gott“, erscheint heute als ein Relikt aus alten Zeiten; aus der Welt gefallen, eigentlich illegitim. Während sich in den modernen Gesellschaften die Lebensformen rasant verändern und ständige Anpassung verlangen, ist die Lebensform des Klosters über Jahrhunderte fast gleichgeblieben.

Die filmische Annäherung an das kontemplative Leben in der Moderne und die Frage, welche Relevanz dieses in unserer heutigen Zeit hat, ist Antrieb des vorliegenden Filmprojekts. Was bedeutet es, wenn diese Orte immer mehr von den Landkarten verschwinden, zu leeren Monumenten verkommen, und immer weniger Menschen sich zu einem solchen Leben entschließen? Aus welchen Gründen gehen Menschen diesen Weg? Was heißt es, sein Leben Gott, der Suche nach Wahrheit und Erkenntnis zu widmen? Wie kann man im Kloster an der Welt teilhaben? Ist es eine Flucht vor einer komplexen, von Gewalt geprägten Welt, oder gar eine Annäherung an diese? Welchen Einfluss hat das Kloster auf die heutige Gesellschaft, welche Wechselwirkungen gibt es?

Nicht theoretisch werden diese Fragen gestellt, sondern mittels des bewegten Bildes, welches den Zuschauenden die Erfahrung des monastischen Lebens näherbringt, dabei berührt und irritiert. METANOIA erzählt in Bildern, die eine kaum bekannte, intime und innere Welt offenlegen, mit der die betrachtende Person in Dialog tritt, sich abarbeitet, und ihre eigenen Fragen stellt.

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