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april 2017

Einführungsveranstaltungen zu Ivan Illich

Montag, 24. April um 19 Uhr

Einladungstext von Marianne Gronemeyer:

Im Laufe diesen Jahres und hoffentlich darüber hinaus möchte ich zu einer Reihe von Veranstaltungen im Fragmente-Laden einladen (dabei fällt mir auf, dass der Laden und und das Laden - im Sinne von Einladen sich des gleichen Wortes bedienen; wie schön! wenn sie auch etymologisch nicht zusammengehören; schade! ) Es soll dabei um eine Einführung in das Leben, das Denken und das Handeln von Ivan Illich gehen. Wir genießen inzwischen das unglaubliche Privileg, auf Tausende von Seiten Text aus seinem Schreibstift (Blei oder Filzstift), seiner kleinen Reiseschreibmaschine und später seinem Computer zugreifen zu können. Denn die stehen oder liegen im "Laden" in Wiesbaden. Obwohl ich Ivan Illich 27 Jahre lang gekannt und inzwischen durch die Archivarbeit doch einiges von ihm gelesen habe und obwohl ich im eigenen Schreiben versucht habe, mit ihm im Dialog zu sein, traue ich mich kaum,  ü b e r ihn zu sprechen, ihn zu interpretieren und zu kommentieren. Denn je mehr ich ihn lese, desto genauer werde ich inne, wieviel gelehrtes Hinterland sich hinter jedem seiner Sätze auftut oder verbirgt. Aber keine Sorge, einen Zugang zu ihm findet man allemal, denn er wendet sich mit seinem Nachdenken an die Erfahrungen und den "gesunden Menschenverstand" vernünftiger Leute. Er argumentiert mit Geschichten, Begegnungen und Erlebnissen und sucht Erhellendes in ganz konkreten Begebenheiten. Das Konkrete ist das Wunder der Wirklichkeit, nach dem sich alle Theorie zu richten hat.
 
Wir werden kurze Texte von Illich zu dem Thema des jeweiligen Treffens lesen, Illich also selbst sprechen lassen. Gelegentlich werden wir sehen, wie sich seine Haltung zu einem Gegenstand im Laufe seines Lebens verändert hat, und trotzdem erstaunt sein, wie brandaktuell seine Pamphlete der frühen siebziger Jahre sind. Wir werden uns auch mit seiner Biographie beschäftigen, einer Lebensgeschichte, vor deren Fülle man ungläubig steht. Und wir werden das Gelesene und Gehörte diskutieren. Und dabei werden wir uns in unseren Denkgewohnheiten durcheinanderschütteln lassen. Kafka sagt, man solle seine Zeit nicht an Bücher verschwenden, die nicht wie ein Eispickel über uns kommen und zertrümmern, was in unserem Schädel festgefroren ist. Illich ist ein Meister darin, liebgewordenen Denkgewohnheiten die Legitimität zu entziehen.

Folgende Termine haben wir vorgesehen:
24. April 2017
29. Mai 2017
26. Juni 2017
09. Oktober 2017


Am 24. April werden wir uns mit dem Buch beschäftigen, mit dem Illich 1971 (englische Originalausgabe) weltweit Aufsehen erregte und leidenschaftliche Diskussionen auslöste: "Die Entschulung der Gesellschaft" (Deschooling Society). Von der Schule verstehn wir alle ziemlich viel, denn wir haben sie alle erlebt und - das wage ich zu behaupten - erlitten.

Vortrag: Günther W. Riehl "G.K. Chesterton - neu entdeckt. Eine Übung zur Deprofessionalisierung."

Freitag, 28. April um 19 Uhr

Der Name Gilbert Keith Chesterton (1874 1936) ist weithin bekannt, und sei es nur als Erfinder der Detektivfigur "Pater Brown". Chesterton, der scharfe Denker dagegen, der sich mit tausenden von Aufsätzen als Zeitdiagnostiker betätigt hat, bleibt eine unbekannte Größe. Und doch finden sich Aussagen, wie sie ansonsten erst wieder der wohl radikalste Zivilisationskritiker Ivan Illich leisten wird, bereits ein halbes Jahrhundert früher auch bei diesem "Journalisten", wie Chesterton sich bescheiden nannte. Einer seiner Befunde betrifft das Heraufkommen einer "Herrschaft durch Experten" - mit entmündigenden, passivierennden Folgen. Und das um das Jahr 1900! Doch haben ihn seine Zeitgenossen damals verstanden? Wohl kaum. Er galt ihnen als Humorist. Als Erzähler mit blühender Phantasie. Die Entdeckung des brillianten, prophetischen Denkers steht demnach noch aus. Denn Chesterton ist nicht einfach nur "wieder aktuell", oder "immer noch" aktuell. Nein, seine Sätze treffen - es handelt sich hier um Phänomen erster Güte! - von Tag zu Tag "mehr" ins Schwarze! Doch wie kann das sein? Wie sind Chesterton Prognosen möglich gewesen, die so beängstigend präzise formuliert sind, dass ihre Bedeutung erst heute in ihrem vollen Umfang erkennbar wird? Der Auflösung dieses faszinierenden Rätsels versucht Günther W. Riehl in einem munteren Vortrag nachgehen.

mai 2017

Vortrag: Walter Öpsch "Zur Kulturgeschichte des Bodens"

Donnerstag, 11. Mai um 19 Uhr

Professor Dr. Walter O. Ötsch lehrte an der Johannes Kepler Universität Linz, gründete dort das "Zentrum für Soziale und Interkulturelle Kompetenz" sowie das "Institut für die Gesamtanalyse der Wirtschaft" und richtete das Fach "Kulturgeschichte des Denkens über die Wirtschaft" ein. Er arbeitet sowohl zu ökonomischen als auch zu kulturhistorischen Fragestellungen. Heute bekleidet er die Professor für Ökonomie und Kulturgeschichte am Institut für Ökonomie an der neu gegründeten Cusanus Hochschule in Bernkastel-Kues, deren Gründung er mitinitiierte. 
Herr Ötsch wird in seinem Vortrag zu der Kulturgeschichte des Bodens sprechen, der genaue Titel wird noch bekanntgegeben.

Konzert: Limpe Fuchs

Mittwoch, 17. Mai um 20 Uhr

Nach ihrem Konzert im September des letzten Jahres kommt Limpe Fuchs erneut zu einem Konzert ins Fragmente, bevor sie ihre Reise nach England fortsetzt, wo sie zusammen mit dem Free-Jazz-Saxophonisten Evan Parker einige Konzerte spielen wird! Frei - ob mit oder ohne Jazz - wird es am 17. Mai auf jeden Fall zugehen! 

Limpe Fuchs improvisiert auf unterschiedlichen Instrumenten - etwa Geige, Pendelsaite, Lithophon, Pauke und Trommeln - sowie mit ihrer Stimme und bringt auf scheinbar mühelose Weise Klangereignisse hervor, die sowohl flüchtig als auch eindrücklich wirken. Souverän und humorvoll schöpft sie dabei aus über 40 Jahren Erfahrung als improvisierende Musikerin und überrascht ihr Publikum so immer wieder aufs Neue mit herausfordernden spontanen Kompositionen.
 
Zur Person: Limpe Fuchs tritt seit Ende der 1960er Jahre als improvisierende Musikerin international in Erscheinung. Zunächst im Duo Anima (Sound), später als Solokünstlerin und in wechselnden Kombinationen und Formationen u. a. mit: Friedrich Gulda, Christoph Heemann, Timo Van Luijk oder Ronnie Oliveras und Ruth Maria Adam. Eine Vielzahl von Veröffentlichungen dokumentiert ihre Arbeit, zuletzt erschien im Mai 2016 ihr Solo-Album "Gestrüpp".

Kleidertausch

Sonntag, 21. Mai um 18 Uhr

Getauscht wird alles von Kleidern über Schuhe, Taschen, Gürtel und Schmuck. Dazu servieren wir Kekse, Bier, Wein oder was ihr mitbringt und natürlich eine ausgiebige Plauderei.  Wir bitten Euch keine abgetragene Kleidung mitzubringen, da diese erfahrungsgemäß nicht mehr getauscht werden kann.

juni 2017

Vernissage: Albina Gräfe und Christian Schoppik

Samstag, 03. Juni um 19 Uhr

Albina Gräfe legt in ihren Fotografien keinen Fokus auf bestimmte Sujets, vielmehr fängt Sie ein, was oft nur rauschhaft, im Vorbeischauen, wahrgenommen wird. So bilden Empfindungen und Stimmungen den zeitlosen Rahmen der eingefangenen Momente. Dabei tritt alles Belebte, mit Schlieren der Bewegung und Schleiern der sich ausdehnenden Zeit, in den Vordergrund und das zwischen den Dingen Liegende wird zum Hauptakteur.

Um Christian Schoppiks Malerei zu beschreiben, kommt man nicht umhin, auf deren Ähnlichkeiten zum deutschen Expressionismus und der osteuropäischen Naiven Malerei zu verweisen. Mit vielfältigen, satten Farben und groben Konturen wird hier Triviales zu Magischem. Ob in Natur oder WG-Küche, alle Dinge scheinen symbolisch und mythologisch geladen.
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